Hallo Leute, Mensch, ich muss echt auf die Euphoriebremse treten, um nicht unglaubwürdig zu werden.
Wir sind zurück von unserem Pfingsttrip in den Süden der Republik. Zirka 1100 km am Stück unterwegs, davon rund 950 auf der Autobahn und ca. 150 auf Bundestraßen und im Stadtverkehr. Stand auf dem Tacho sind jetzt zirka 1.500 km. Sowohl Motor, als auch Getriebe sollten jetzt eingefahren sein.
Um es vorweg zu nehmen: ich bin restlos begeistert.
Meine letzten Autos zuvor waren ein X5 E53, ein X5 E70, ein 5er GT und eine 5er Limo, immer mit xDrive und bis auf den 525 D (2 l Diesel BiTurbo) alle 3 l Sechszylinder Diesel, die letzten beiden Autos mit dem ZF-Achtgangautomaten. Ich weiß also von was ich schreibe und ich war durchaus verwöhnt, da ich - Dank Geschäftsleasingsonderkonditionen - auch nie an der Ausstattung sparen musste.
Wir sind also am Wochenende aus dem Hessischen über Nürnberg nach München gefahren, von dort aus dann rund 150 km quer rüber nach Bad Füssing. Von dort ging es dann über Passau, Regensburg, Nürnberg, Würzburg wieder zurück in die Heimat. Sowohl nach München als auch von BF nachhause gab es jeweils einen kurzen Stopp, der aber nichts mit dem Auto zu tun hatte.
Auf dem Weg nach München bin ich anfangs noch sehr zurückhaltend gefahren, da das Auto noch keine 500 km auf der Uhr hatte. Es waren so um die 350. Im Auto saßen 4 Erwachsen und der Kofferaum war unter der Abdeckung relativ voll mit zwei kleinen Koffern, Kühltasche, Kosmetikkoffer, dickeren Jacken usw.
Entsprechend zäh kam einem da auch das Beschleunigungsverhalten mit "gestreicheltem" Gaspedal vor. Zuletzt fuhr ich die Strecke mit zwei Personen und dem 5er BMW mit 218 PS. Das war jetzt natürlich ein Unterschied.
Dennoch schwammen wir bereits von Anfang an gut mit. Auf Normal-Stellung zeigt der Motor bzw. das Getriebe einen Hang zum untertourigen, wie ja auch schon von anderen berichtet wurde, was wohl dem 9. Gang und dem Willen zum Spritsparen geschuldet ist. Dabei kann schon mal so eine Art Eigenresonanzfrequenz getroffen werden, was sich in leichten Vibrationen und einem etwas spürbareren Motorgeräusch äußern kann. Diesen Punkt gabs bei dem 4 Zylinder BMW auch, allerdings bei etwas höherer Drehzahl. Als VTwin Motorradfahrer empfand ich das aber nie störend und lässt sich durch einen leichten Tritt aufs Gaspedal oder die Sportstellung der TS sofort vermeiden.
Insgesamt ist das Auto wohltuend leise und braucht keinen Vergleich mit meinen BMWs zu scheuen. Der Motor ist dezent vorhanden, aber nie unangenehm.
Das Getriebe funktionierte ebenfalls ohne Fehl und Tadel. Bis auf den Gang mehr und die dadurch reduzierte Durchschnittdrehzahl konnte ich keinen Qualitätsverlust gegenüber den BMWs feststellen. Das gilt übrigens für das gesamte Fahrzeug, wenn man mal von dem billigeren Plastik unterhalb der Knie absieht.
Es hat wahnsinnig Spaß gemacht, mit meiner Familie in diesem Cherokee zu reisen. Die Sitze sind echt klasse. Hier war ich von den Komfortsitzen in den BMWs echt verwöhnt und noch auf der Hinfahrt musste ich mich an das neue Sitzverhalten gewöhnen. Aber irgendwie hat sich der Fahrersitz wohl an mich angepasst. Bereits auf der 150 km Tour nach BF saß ich wie in Abrahams Schoß, was sich auch auf dem fast 500 km Heimweg so bestätigt hat.
Klima, kein Thema. Navi, kein Thema. Wen die Kartendarstellung stört, da angeblich antiquiert, kann ja das Display ausschalten. Uns hat nichts gestört und dennoch habe ich mal versuchsweise das Display ausgeschaltet und bin nur nach Ansage und EVIC gefahren. Ging tadellos. Also auch hier, nix zu meckern.
Ab km-Stand 800 habe ich dem Wagen dann auch mal die Sporen gegeben. Voll beladen und bisher nur gestreichelt, hatte er anfangs Probleme über die 170 km/h zu kommen. Dies hat sich dann in Richtung 1000 km auf dem Tacho deutlich geändert und ich habe ihn dann auch mal richtig getreten. Spitzengeschwindigkeit bergab auf dem Tacho 205 km/h, und die Jeep-Tachos gehen je relativ genau. Reisegeschwindigkeiten zwischen160 und 185 waren die Regel, da ich (leider) immer noch etwas vom BMW-Virus befallen bin.
Aber Leute, das Auto fährt sich für mich wirklich fast wie ein BMW. Super Straßenlage für einen SUV. Keine Hochgeschwindigkeitskurve auf der Bahn, die mich in Verlegenheit gebracht hätte. Das Auto ist absolut spurtreu, vergleichsweise wenig windanfällig und der Federungskomfort hervorragend. Wirklich eine gelungene Abstimmung zwischen bequem und sportlicher "Härte". Wobei ich hiermit nicht wirklich hart, sondern eher angenehm stramm meine. Nix Geschaukel, nix Ami-Kiste. Dieses Gefühl habe ich lediglich beim Grand-Cherokee anlässlich einer Probefahrt kennengelernt. Der kleine Chero läuft wie am Faden gezogen.
Über fast 300 km hat uns ein alter X3 begleitet, den ich immer wieder überholt habe, und der mich dann in den Baustellen - da zuuu schnell - erst wieder eingeholt hat.
Und der war alleine im Auto, während wir - wie beschrieben - ziemlich "voll" unterwegs waren.
Ich konnte wirklich nicht anders und musste meine Frau mehrfach loben, die mir mein Grinsen ansah, dass sie mich auf dieses Auto gebracht hat, das an diesem Wochenende eine fast perfekten Auftritt hatte. Auf das "fast" gehe ich später noch mal kurz ein.
Also, wie gesagt, Straßenlage, Komfort, Klima, Lenkung, Getriebe, Sitze, Geräusche, Platzverhältnisse, Navi, Fahrspaß - es gab selbst im Vergleich zu meinen deutlich teureren BMWs nicht nur nichts zu meckern, sondern es ist qualitativ alles absolut vergleichbar und ich habe absolut NICHTS vermisst, außer anfangs vielleicht ein paar PS mehr. Aber auch das hat sich zum Schluss relativiert. Das Auto ist für einen echten SUV auch vollbeladen wirklich schnell genug und im Sportmodus, wenn man Größe und Gewicht bedenkt, fast schon ein wenig giftig.
Auf der gemäßigten Hinfahrt hatte ich den Verbrauch auf 7,9 Liter abgesenkt, nach der flotten Heimfahrt stieg er auf rund 10 an, was ja kein Wunder ist. Jetzt steht er bei 9,9 und wird sich wohl bei 8,3 bis 8,5 einpendeln und liegt damit auf dem Niveau meines zwei Liter BMW, der zwar etwas mehr PS und zwei Turbos hatte, dafür aber auch etwas leichter und niedriger sowie mit dem Efficient Dynamics Paket verbrauchsoptimiert war. Also auch hier gibt es an dem FIAT-Aggregat nichts auszusetzen.
Der Spurhalteassi ist ne tolle Sache. Den habe ich immer eingestellt und er ist echt hilfreich, wenn man mit Familie unterwegs ist und vll. hin und wieder etwas abgelenkt ist oder müde wird. Mit Abstandstempomat und Spurhalteassi fährt das Auto ungelogen alleine und hält den Wagen zwischen den Linien. Lässt man das Lenkrad aber zu lange los, um das zu testen, gibt's gleich einen Anschiss von der Bordelektronik. Feine Sache. Funktioniert wirklich einwandfrei.
Auch der Abstandstempomat gab keinen Grund zur Klage. Wegen der zeitweise hohen Verkehrsdichte und meinem Wunsch, das Auto nach 1000 km mal so richtig hart ranzunehmen, habe ich ihn aber nur zeitweise eingesetzt gehabt, ebenso wie den normalen Tempomaten.
Jetzt noch zu dem "fast" perfekt. Bereits auf der Hinfahrt wurde mir Wartungsbedarf des Totwinkelassistenten angezeigt. Ziemlich penetrant mit mehrfachen Gongs und Anzeigen. Es war dann während der Fahrt auch nicht so einfach, das Teil abzustellen, was letztendlich aber gelang. Somit war Ruhe, aber der Assi deaktiviert bis zum Schluss, da ich mir das Gegonge nicht noch einmal antun wollte. Zuhause habe ich noch mal probiert, aber der Wartungshinweis besteht immer noch. Hier werde ich morgen mal meinen Händler anrufen, der Gott sei Dank nur ca. 15 km entfernt ist.
Ob es mit dieser Meldung zusammenhängt weiß ich nicht, aber seit dem Auftanken in Bad Füssing blinkt jetzt auch mein Gesamt-Kilometerstand unten im EVIC, also oberhalb des Temperatur- und Tankanzeigers, sobald der Motor läuft. Das regt mich aber nicht auf, da ich ja Garantie habe und das Teil, das ich vorher ohnehin nicht kannte, vorübergehend durchaus entbehrlich ist.
Fazit: ja, ich bin rundherum zufrieden mit dem Auto. Aber nicht nur in Form von: naja, für vergleichsweise kleines Geld muss man eben Kompromisse machen. Nein, das muss man nicht, wenn man von dem billigeren Plastik im Fußraum absieht. Alles andere ist absolut hochwertig und durchaus objektiv mit meinen vorhergehenden BMWs vergleichbar. Ich bin auch nicht anspruchslos. Ich reagiere sehr empfindlich auf störende Geräusche, schwammiges Fahrgefühl, schlechte Bestuhlung und schlappe Motoren.
Aber auch vor dem Hintergrund dieser relativen Arroganz hat unser neuer Indianer die Feuertaufe mehr als mit Bravour bestanden.
Ohne Wenn und Aber kann ich dieses Auto in der von uns gefahrenen Konfiguration empfehlen. Bleibt jetzt nur zu hoffen und abzuwarten, dass das so bleibt.
Ich freue mich jedenfalls jetzt schon wieder auf unsere nächste Tour und werde keinem meiner BMWs eine Träne nachweinen.
Das Preis-/Leistungsverhältnis unserer Cherokees scheint mir derzeit jedenfalls unschlagbar zu sein und ich hoffe, dass das, was die Haltbarkeit anbelangt, auch so bleibt.
So, das war's fürs Erste. Falls mir noch etwas einfällt oder jemand Fragen hat, trage ich das hier gerne noch nach.
Ach so, ich bin weder verwandt noch sonst etwas mit FCA, Händlern oder Werkstätten. Das ist mein erster Jeep überhaupt. Ich war einfach nur neugierig und bin froh und glücklich, dass meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern in allen wichtigen Belangen zum Teil sogar deutlich übertroffen wurden.

