Ich muss zugeben, ich war lange gegen Elektroautos, aus den üblichen Gründen: Reichweite, Ladesäulenmenge, Stromerzeugung zusätzlich für 1 Mio. Autos nicht möglich, etc. Elektro war für mich nur eine Übergangstechnologie bis etwas Besseres wie Wasserstoff oder ähnliches kommt.
Das hat mich aber nicht davon abgehalten, bei meinem neuen Arbeitgeber als Firmenwagen einen BEV zu nehmen. Ehrlich gesagt, hauptsächlich aufgrund der 0,25% Versteuerung, da ich nie vorhatte, meinen Wrangler zu verkaufen und nur den Firmenwagen zu fahren.
In der Probezeit gibt es nur Wagen aus dem Fahrzeugpool, daher fahre ich seit August einen BMW i3 120. Kleiner als der Wrangler, gar keine Frage, aber wenn ich Platz brauche, habe ich den Jeep.
Und ich muss sagen, es gibt mehr Sonnenschein als Regen mit dem Wagen. Reichweite ist in den meisten Fällen OK, da viel Stadtverkehr, mein Büro 50 km weit weg ist und normalerweise die 65 km zum Schwiegervater das Weiteste ist.
Ich habe weder PV-Anlage noch Wallbox, muss also immer extern laden. In der Firma geht, aber da war ich seit August erst 11 mal mit Auto, einmal davon mit dem Jeep. Seit Anfang Oktober haben wir eine Ladestation in 10 Minuten fußläufiger Entfernung. Da lade ich oft mit 11 kW, also rund 4 h bis er voll ist. Oder ich fahre zu einem der mittlerweile vielen Schnellladern, die es in 1-5 km Entfernung hier gibt. Da schaue ich dann eine Folge irgendeiner Serie, während der Wagen in 45 Minuten fast komplett voll ist. Ab 95% geht die Lademenge drastisch in den Keller, daher lade ich meistens bis dahin oder auch nur bis 90%.
Ich habe nur eine Ladekarte (Shell Recharge), da es ein Firmenwagen ist, aber habe bisher nie Probleme mit der Akzeptanz gehabt.
Fahren damit macht Spaß, anderen Spaß halt als der Jeep.
Langstrecke ist, zumindest mit dem i3, noch ein anderes Thema. Nach Hamburg habe ich 2 mal unterwegs nachladen müssen, Heizung und Sitzheizung und relativ kaltes Wetter haben anscheinend viel Energie gezogen. Statt der ø 14 KWh pro 100 km hat er sich 17 reingezogen. Ladestationfülle unterwegs ist immens, leer liegenbleiben bedeutet eher Dummheit als Mangel an Möglichkeiten. Immer nah an oder direkt auf der Autobahn. Da ich auch regelmäßige Pausen brauche, ging das aber auch.
Auf dem Rückweg waren es sogar 3 Zwischenstopps, allerdings eher meiner Vorsicht geschuldet, da ich insgesamt wahrscheinlich auch mit 2 mal auf jeder Strecke ausgekommen wäre, aber immer sehr früh nachgeladen habe. Man reist ebenso ruhig wie mit dem Wrangler (max. 110 km/h), benötigt aber doch noch etwas mehr Zeit.
Wenn ich nach der Probezeit meinen "richtigen" Firmenwagen bestellen kann, wird auf jeden Fall viel Wert auf Reichweite und schnelles Laden gelegt. Tesla wird aufgrund des Firmenchefs eher nicht in Frage kommen, aber andere Hersteller können ja mittlerweile auch mit 300 kW laden (der i3 kann max. 50 kW).
Alles in allem bin ich sehr zufrieden und mein Jeep wird nicht mehr bei den ganzen Kurzstrecken verbraten. Meine Frau mag den i3 auch sehr gerne, sie nutzt die Beschleunigung sehr gerne, da ihr Fiat 500 so etwas nicht kennt, und verbraucht selten, auch bei bestem Wetter, weniger als 15 kWh pro 100 km.
Würde ich ein BEV als einziges Fahrzeug nutzen? Ehrlich gesagt, im Moment wahrscheinlich nicht, nicht zuletzt wegen den Anschaffungskosten. Als zweites Auto im Haushalt, jederzeit, dann halt etwas in klein.
Das ist meine Ansicht zu BEVs. Die Vorteile für die Umwelt spreche ich gar nicht erst an, da das wahrscheinlich alle so ähnlich sehen, bis auf die harte Verbrennerfraktion. Es gibt genügend Studien, die sagen, dass ein BEV auf die komplette Lebenszeit weniger umweltschädlich ist als ein Verbrenner, aber ich kenne keine, die das Gegenteil behauptet. Über Umweltschäden wie Wasserverschmutzung aufgrund von Ölverlust etc. wird bei den Studien noch nicht einmal eingegangen.
Daher bin ich sozusagen vom Saulus zum Paulus im Bezug auf BEVs geworden. Aber wie immer muss das Nutzungsprofil passen, bei einem reinen Langstreckenfahrer wird ein Diesel immer noch mehr Vorteile haben. Für uns passt es, da wir immer noch den Jeep haben, wenn mehr Platz gebraucht wird oder schneller gereist werden soll.
Viele Grüße, Roland